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Computer & Technik
Die phantastischen vier
Spielkonsolen stehen auf vielen Wunschzetteln. Welche ist für wen die richtige?
Weihnachten naht, und die Kinder machen langsam Druck: Spielkonsolen stehen auch dieses Jahr wieder auf vielen Wunschzetteln ganz oben. Leider hat es Marktführer Sony auch dieses Jahr nicht geschafft, seine neue Playstation 3 (PS3) in der Schweiz auf den Markt zu bringen. Aber immerhin ist Konkurrent Nintendo seit einigen Tagen mit einer Neuheit auch hierzulande präsent.
Im Schweizer Weihnachtsmarkt sollen laut Experten über 70 000 Konsolen verkauft werden. Branchenprimus war bisher Sony mit der Playstation 2, die im 3. Quartal 2006 einen Marktanteil nach Stückzahlen von stolzen 70 Prozent erreichte. Erzrivale Microsoft rückt aber näher und verdoppelte den Anteil der Xbox 360 innert eines Jahres von knapp 12 auf knapp 24 Prozent. Gemessen am Umsatz sind das sogar über 43 Prozent.
Wer sich vor Weihnachten für eine neue Spielkonsole entscheiden muss, trifft eine schwierige Entscheidung, denn der Kauf einer Spielkonsole ist ja nur die bescheidene Anfangsinvestition. Was später wirklich ins Geld geht, sind die Spiele, die danach immer wieder mit 80 bis 100 Franken die Familienkasse schröpfen.
PS3: Europa muss warten
Am meisten Schlagzeilen macht zurzeit die Playstation 3 von Sony. Und zwar vor allem, weil sie in Europa anders als in Japan und den USA nicht erhältlich ist. In der Schweiz werden erste Geräte im nächsten Frühling erwartet, in den USA haben sich Fanatiker mit blutigen Raubüberfällen eine der wenigen erhältlichen PS3 erkämpft.
Für finanzstarke Hightech-Anhänger lohnt sich das Warten: Sonys neuste Spielkonsole ist nicht nur schön und leise, ihre Bilder kommen der Realität auch am nächsten - ein hochauflösender Fernsehapparat vorausgesetzt. Während man mit dem Rennwagen durch die Gegend brettert, weiss man nicht, ob man sich nun auf die sanft abperlenden Regentropfen auf der Frontscheibe, die vorbeiflitzenden kleinen Blumen am Strassenrand oder auf die eindrückliche Sonnenuntergangsstimmung der Landschaft konzentrieren soll. Folgerichtig landet man dann auch in der Leitplanke. Die PS3 ist das Designerstück für halberwachsene Besserverdiener, die sich nicht nur die 900 Franken für die Profi-Version leisten können, sondern auch über die nötige Infrastruktur verfügen. Denn auf einem herkömmlichen Fernseher sehen die neuen Spiele kaum besser aus, als die gewohnten Spiele auf der billigen PS2.
Xbox 360: Spielen im Netz
Mit der Xbox 360 hat Microsoft die technisch leistungsfähigste Spielkonsole im helvetischen Weihnachtsmarkt. Die Bildauflösung ist identisch mit der PS3, allerdings kann die inzwischen über ein Jahr alte Technik nicht so viele Details berechnen und benötigt zur Kühlung einen nervig lauten Lüfter.
Für die etablierte Xbox gibt es bereits gegen 200 Spiele. Microsoft hat die Konsole perfekt ins Internet und Heimnetz integriert. Via Internet kann man gegen Millionen
anderer Spieler weltweit antreten, was allerdings mit einer jährlichen Abogebühr von rund 100 Franken zu Buche schlägt. Im Frühling sollen Windows- Spieler und Xbox-Gamer parallel in einer Spielwelt aufeinander treffen, ein Ausbau der Spielewelt auf Handys ist bereits angedacht.
Die Xbox glänzt vor allem mit Sport- und Rennspielen. Letztere neuerdings sogar inklusive echten Lenkrads und Pedalsets. Mit dem neuen Spielkonzept in «Viva Pinata», bei dem Kinder Gärten gestalten, Phantasietiere aufziehen und sogar über das Internet tauschen, will die Xbox vom Baller-Image wegkommen.
Wii: Bewegung ist alles
Seit wenigen Tagen buhlt in der Schweiz auch Nintendos neue Spielkonsole Wii um die Spielergunst. Sie setzt auf eine ziemlich ungewohnte Bedienung; statt Knöpfchen zu drücken, ist ganzer Körpereinsatz gefragt. Der Spieler hält dabei eine Art Fernbedienung in der Hand. Deren Bewegungen werden durch Sensoren erfasst und drahtlos in die Spielkonsole übertragen. Bei Tennisspielen umklammert man die Fernbedienung wie den Griff eines Tennisschlägers, und für Autorennen wird der Controller in ein Plasticrad eingelegt. Das Ganze funktioniert erstaunlich gut, mangelnde Präzision der Steuerung wird durch den Spassfaktor kompensiert. Dank Wii können nun auch endlich ältere Semester spielen, die von gängigen Spielkonsolensteuerungen und den dabei nötigen Tastenkombinationen in Mikrosekundenabfolge überfordert sind. Das Grundset der Wii ist zwar mit knapp 400 Franken günstig, wer aber beispielsweise zu zweit Boxen will, muss nochmals 100 Franken für Zubehör berappen. Bei den Grafikfähigkeiten fällt die Wii gegenüber der PS3 und Xbox 360 weit zurück.
PS2: Die grosse Auswahl
Beim Spielkonsolenkauf lassen sich dieses Jahr aber auch Schnäppchen machen. Da die PS3 das hiesige Weihnachtsgeschäft verpasst, muss nun die
PS2 zum Kampfpreis verscherbelt werden. Für 200 Franken erhält man die Konsole inklusive eines Spiels
aus der laufenden Hitparade. Die Grafikleistung der PS2 sieht auf alten Fernsehern noch immer passabel aus. Für die PS2 gibt es neben üblichem Sport und Geballer auch viele familienfreundliche Titel: Erwähnenswert sind Karaoke-Lösungen inklusive Mikrofon (Singstar), Quizspiele mit Hau-drauf- Knopf (Buzz) oder interaktive Fitnessprogramme mit Videokamerakontrolle (Kinetic).
Spiele für die PS2 sind teils sehr billig, und fast immer finden sich Freunde, deren Kinderzimmer schon vollgestopft sind mit älteren PS2-Spielen. Ferner werden diese auch in Internetauktionen für wenige Franken verscherbelt. Wer also aufs Geld achten muss, kann eine PS2 und ein Dutzend Spiele für 500 Franken erwerben. Bei den modernen Konkurrenten kostet das schnell zwischen 1000 bis 2000 Franken. Und die Spiele der PS2 sind sogar «investitionssicher», denn sie laufen auch auf der PS3.
NZZ am Sonntag; 10.12.2006; Nummer 50; Seite 81
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